Montag, 20. Oktober 2008

Die Laurentides. Ein wirklich aufregender Landstrich

Unglaublich, daß mein Online-Thermometer tatsächlich 3,0 °C verspricht (es ist 23:51, Mittwoch Nacht), die wiederum mit einer gefühlten Temperatur von 0,3°C überzeugen wollen. Angesichts des derart nahe bevorstehenden Winters stellt es beinahe ein unmögliches Unterfangen dar, in guter Campingmanier noch im Auto übernachten zu wollen. Doch F., J. und ich haben weder Kosten noch Mühen, weder Betten noch Decken gescheut, um unseren Traum noch in diesem Jahr wahr machen zu können. Auf Anraten Serges hin fuhren wir am letzten Samstag in die Laurentides. Dieses Gebiet nordwestlich von Montreal überzeugte vor allem mit Langeweile während des Autofahrens, mit unzähligen Kiefern, sumpfigen Gebieten, die allesamt entweder "à vendre" / "zu verkaufen" waren (wohl nur für Pfahlbauten geeignet) oder uns wegen Privatbesitzes davon abhielten, gemütlich mit J. darin spaziern zu gehen (wohl auch nur mit Gummistiefeln möglich), mit nichtssagenden nordamerikanischen Kleinstädten, in denen viel zu dicke Menschen in immer gleichen Einkaufsketten einkaufen gehen, und vielen äußerst einsam gelegenen (noch abgelegener als Teicha? Geht das überhaupt?) Wohnhäusern. Da die nächste größere Stadt, nicht wie nach deutschen Verhältnissen höchstens 30 Minuten, sondern mindestens 1,5 Stunden weit entfernt liegt, fragten wir uns während der gesamten Fahrt immer wieder, was die Menschen in den wunderschönen Laurentides denn wohl arbeiten könnten.

Ihre Autos waren schließlich groß, glänzend, neu und meist mit einem Squad beladen. Die Rückfahrt sollte darüber Aufschluß geben; ein Tankwart erklärte uns, dies sei das Holzbusiness, und die einsam gelegenen Häuser seien Ergebnisse des Individualismus und des Wunsches nach einem eigenen, großen, von anderen abgetrennten Lebens- und Jagdterritoriums. Wir begnügten uns aufgrund der Grundstücksverhältnisse am Samstag mit einem ausführlichen Spaziergang unter einem Hochspannnungsleitungsgebiet, welches, da auf staatlichem Boden befindlich, nicht mit Stacheldrahtzaun abgetrennt war. Des Abends, nachdem wir uns in einem italienischen Restaurant den Wanst vollgeschlagen hatten, parkten wir unser schiffähnliches Automobil auf einem geschlossenen Campingplatz und machten uns an das Bauen unseres Nachtlagers, welches aus Sofasitzkissen und einer enormen Zudecke bestand. Das Tier wurde im Fußraum des Vordersitzes unter einem Haufen Decken verstaut und wir nahmen unsere Plätze im hinteren Bereich des Wagens ein.
           
Die Nacht wurde u.a. gemütlich, aufregend, sehr kalt - so sehr übrigens, daß die Scheiben am Morgen von innen gefroren waren und sich Eisblumen an den Fenstern gebildet hatten. Wir frühstückten in der Sonne, die den Campingplatz des Morgens beschien, und traten zügig den Heimweg an.
         
Die Laurentides - eine aufregende Gegend.

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