Dienstag, 16. Dezember 2008

Enttäuschung

Dieses Land enttäuscht. Ich bin nicht ärgerlich, hier zu sein, mich mit Alltäglichkeiten herumschlagen zu müssen, auf kalte, undurchdringbare Freundlichkeit, nein, Höflichkeit zu stoßen. Mich enttäuscht, daß ich von Stein, Mauern, Beton umgeben bin, daß man der zugemauerten Stadt nicht entfliehen zu können scheint. Daß man sich nicht ausreichend mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen kann, daß kein Hund in öffentlichen Verkehrsmitteln erlaubt ist und man daher zwangsläufig auf ein Auto angewiesen ist, welches wiederum Unmengen an Kraftstoff schluckt, Versicherung kostet, und Gelegenheiten gibt, Buß- oder Verwarnungsgelder zahlen zu müssen. Mich nerven die hohen Lebensmittelpreise, uneinkalkulierte Kosten an allen Ecken und Enden - so z.B. Steuern, die nicht schon im angegebenen Produktpreis enthalten sind, sondern den einkaufenden Kunden beim Gang an die Kasse überraschen - nicht im Paketpreis enthaltene Gebühren für Telefon und Internet, $50 Anmeldungsgebühr beim der Telefongesellschaft, $50 Anmeldungsgebühr bei der Stromgesellschaft, obwohl diese keine tatsächlichen Aktionen tätigen müssen. Hier wird auf Veranstaltungswerbung nicht der Eintrittspreis angekündigt, sondern es wird mit Gratis-Eintritt geworben, da das so selten vorkommt. Ich weiß nicht, wie die ärmeren Einwohner Montreals, die weniger verdienen als ich, oder eventuell genausoviel, bei etwa 25 Wochenstunden mehr an Arbeit, hier über die Runden kommen. Das ständige Nachdenkenmüssen über vorhandenes und noch zu zahlendes Geld, obwohl man doch nicht einmal außerordentliche Ausgaben zum eigenen Vergnügen plant, macht krank. Noch ein paar Monate bis wir wieder gehen können. Zum Glück können wir entscheiden, daß wir gehen und wohin wir gehen.

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