Mittwoch, 22. Oktober 2008

Faisons-nous la queue!

Sinngemäß: "Lasst uns lange und in geordneten Bahnen anstehen!" Anstehen will in Quebec gelernt sein. Deutscher Ordnungssinn steht dem hiesigen Anstehverhalten in vielem nach. Schon in England wurde ich entgegen meines Kinderglaubens, die Deutschen seien die Meister von Bürokratie, Exaktheit und öffentlicher Gerechtigkeit, eines Besseren belehrt. Schlangestehen wurde dort manierlich schon kleinen Kindern beim alltäglichen Schulbusverkehr eingeimpft. Zwar steht nicht jeder, wie eventuell anzunehmen, am verordnetetn Fleck direkt hinter seinem Vorgänger, dafür üben sich die Engländer im inneren Notieren von Aussehen und Verhalten von Vorvorgänger, Vorgänger und Nachfolger, so daß es bei Ankunft des Busses zu keinerlei Diskussion über die Reihenfolge beim Einsteigen in selbigen kommen kann. Wer dies entgegen besseren Wissens trotzdem versucht, begibt sich damit zwar nicht in Lebensgefahr, zieht aber den Unwillen und drohende Blicke seiner Mitmenschen, mit denen er noch die gesamte kommende Fahrt zu überstehen gedenkt, auf sich. In Montreal dagegen sind drohende Blicke und Unwillen gänzlich unbekannt, da man hier derartiger Mittel nicht bedarf. Der junge wie der alte potentielle Busfahrgast stellt sich ohne WIderworte in die exisiterende Reihe von hinten an - comme il le faut. Dem vorbeigehenden Passanten präsentiert sich daraufhin ein faszinierendes Bild, welches das Wort "Schlange" gänzlich neu verstehen läßt. Fraglich ist nur, wie diszipliniert die Montrealais ihre Anstehkultur auch in den eisigen Wintermonaten pflegen werden.

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