Montag, 19. Januar 2009

MITNEHM-liste

Man könnte meinen, man nähme im kanadischen Leben grundsätzlich schon genug mit:
  • Lebensmittel, Klopapier und Getränke aus "Provigo", "SuperC" oder "IGA"
  • Spannung, Freude oder Schrecken aus Filmen in "AMC Forum 22"
  • Kaffee in Pappbechern aus "Tim Horton's"-Coffeeshops
  • warme, weiche Wollsocken aus "Dollarama"
  • Kundenfreundlichkeit bei "CAA"-Telefonaten (nordamerikanischer ADAC)
  • Schnee an Winterstiefeln
  • Vergnügungsparkbesuche in "La Ronde"
Dies mag dem Durchschnittskanadier zur Bewältigung seines Alltags reichen; mich, F. und J. stellen all diese Dinge jedoch nicht zufrieden. Auf unserer Liste haben wir daher bis jetzt zu unserer vollen Zufriedenheit Folgendes hinzufügen können:
  • eine aus ihrem Rahmen gerutschte Balkontürscheibe und ein damit entstandener 40cm hoher Spalt bei -30°C Außentemperatur
  • daraus resultierende vom Inneren der Wohnung gefrorene Scheiben
  • der unverhoffte, aber selbst verursachte Tod unserer Autobatterie nach 6 Stunden brennender Lampe und danach angelassenem Motor
  • 4 Tage Hundehalterexistenz im verschneiten Montréal ohne Möglichkeit zur ausführlichen Gassirunde außerhalb der Betonwüste
  • Badewannenbadegenuss, bei dem sich plötzlich der häusliche Warmwassertank mit gähnender Leere Gehör verschafft
  • 4monatiger Aufenthalt mit unzähligen erfolgslosen Bewerbungsversuchen trotz bestehender Arbeitsgenehmigung
  • Gefrierschrankausfall bei Plusgraden mit Verfall von 15kg Frischfleisch
  • deutscher Ordnungssinn, der uns veranlasste unsere 4 Müllbeutel nach 8 Stunden nicht wie unsere Nachbarn am Straßenrand stehen zu lassen und weiterhin auf das Müllauto zu harren, sondern diese hinter unsere Wohnung auf die Veranda zu stellen, wo sich städtische Stinktiere ihrer parfumant annahmen
  • gefrorene Nasen, Wangen und Füße
  • konstante Winterwohnungshöchsttemperaturen von 18°C
  • Telefon- und Internetrechnungen von ein- und derselben Telekommunikationsagentur, die mit unheimlichem bürokratischen Aufwand als kleines Extra zwei getrennte Kundenkonten führen
  • nicht zu betretende weite kanadische Wildnis
  • auf einer 4km Luftlinie von der Wohnung entfernten, aber durch eine monströse, ellenlange Brücke von zuhause getrennten Insel parkend den Schlüssel im verschlossen Auto liegen gelassen haben
  • einmaliger 30minütiger Stromausfall
  • dauerhafter Salzbelag auf allen Straßen und Gehwegen und an allen 4 von J.s Pfoten
  • Strafzettel in Gesamthöhe von etwa 500$, hauptsächlich verursacht durch (nicht nur für Europäer) undurchsichtige Parkregelungen
  • Spinett spielende, irische Volksmusik fabrizierende, durch die Wohnung stampfende, über uns wohnende Vermieter mit zwei Katzen
  • 1,5 Stunden langes Warten am kanadischen Grenzübergang mit ausgefallener Heizung bei -15°C
Was wir außerdem mitnehmen, sind:
  • ein Nachbar, der uns einen seiner vier jährlichen kostenlosen Abschleppdienste als ADAC-Mitglied zukommen lassen will
  • derselbe Nachbar, dessen zwei Hunde (Dobermann 'arry und Großpudel Paco) mit Jette im verschneiten Garten spielen
  • ein Weihnachtsessen bei oben schon genannten, trampelnden, musizierenden Vermietern
  • eine katholische Gemeinde, die uns als Pärchen mit offenen Armen willkommen heißt
  • Unmengen an alkoholfreiem Glühweinersatzgetränk von IKEA, welches bei Kanadiern keine Begeisterungsstürme lostritt
  • Aussichten auf einen zweiwöchigen Sommerurlaub im Caravan durch Québec und die Neuenglandstaaten

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