Mittwoch, 18. Februar 2009

FlimmerEI, FahrerEI, VersucherEI

Da F. seit letzter Woche einen erwachsenen 40-Stunden-Job hat, mußte ich mich zwangsläufig unter die frühaufstehende Bevölkerung gesellen, um beruflich Schritt und Tritt halten zu können. Während sich F. im PC-Spielebusiness die Augen trocken starrt und die Finger wund tippt, höre ich Hundehechelmusik und treibe mich auf nahezu wieder gründenden Weißeisflächen herum. F. vergnügt sich mit pixeligen Tieren in allen nur erdenklichen Farben, gibt ihnen nicht ganz übliches Wasser zu trinken, putzt und bügelt sie, während ich die schwarze Fussel-J. dazu überrede, mit mir ins Auto zu steigen und eine kleine Spritzfahrt durch die Stadt zu unternehmen ... zum Glück bin ich keine Fremde und J. kein kleines Mädchen, so daß diese Unternehmungen trotz Leckerei im heimeligen Kofferraum eigentlich Vergnügen bereiten könnten.

Leider laufen unsere Autotouren seit geraumer Zeit nicht mehr so reibungslos ab wie noch zu den Zeiten, in denen sich J. als passionierte Beifahrerin erwies und aufmerksam die zu ihrer rechten und auch linken liegenden Grünflächen abwechselnd bestaunte. Zu unser aller Unglück begangen wir, ich und F., vor nunmehr etwa sieben Wochen den Fehler, uns spontan für eine Wäsche unserer dick mit Salz verzierten Paulette zu entscheiden, fuhren nichtsahnend in die Autowaschanlage und vergaßen rabenmütterlich, das Tier vor lebensqualitätsbeeinflußenden Schocks zu bewahren. Ihre erste und einzige Autowäsche wird J. sicherlich irgendwann vergessen haben; uns dagegen bleibt voraussichtlich die Erinnerung hellwach erhalten, da J. von jenem Tage an entschied, nach rund fünf Minuten Fahrzeit mit Zittern und Hecheln unseren Jazzautofahrsender tatkräftig zu unterstützen. Ein chemisch-leckerer Kauknochen tat zwei Tage lang sein Übriges zur Beruhigung und Ablenkung des Tieres, doch ließ sie sich leider von seinem Nachfolger nicht mehr überzeugen. Nun harren wir der Dinge, die da noch kommen mögen. Das nächste Wundermittel, dem wir all unsere Hoffnung entgegenwerfen ist ein Pheromonspray, welches Spritzkanone J. in mütterliche Geborgenheit zu hüllen verspricht. Leider läßt es sich schon 11 Tage mit der Anreise Zeit.
F. erzählte mir neulich, daß sie bei ihrer Übersetzertätigkeit auch auf Ratschläge stoße, die dem Hobbygärtner wohl Tränen in seine bemoosten Hobbygärtneraugen steigen lassen würden, wie z.B. der Hinweis, ganze Kaffeetassen (entsprechend 250g) voller Natron in der Vase würden Schnittblumen zu extra langem Leben verhelfen. Bei einem Wasser-Natron-Verhältnis von 50 zu 50 ist dagegen wohl eher mit einem baldigen, grausamen Schnittblumentod zu rechnen, meint sie, so daß die ehemals blühenden Schönheiten selbst nicht mehr für die Begräbnisfloristik verwendet werden könnten - und das, obwohl sie thematisch perfekt ins Bild passen sollten.
Das ganze durch F.s Anstellung verursachte berufsreife Aufstehen und Schlafengehen läßt mich seither sehr beschäftigt aussehen. Dabei beansprucht nicht nur unser Bett meine vollste Aufmerksamkeit; nein, auch die aus ihrem Winterschlaf wieder erwachten buschig beschwanzten Eichhörnchen fordern intensive Obhut, damit ihnen nicht etwa nach erholsamer Ruh von unserer schwarzen Renn-J. kurzer Prozeß gemacht wird. Im Herbst geschah das schließlich schon einmal, als die F. das Tier sich zur Belohnung auf ein Eichhorn stürzen ließ, da es sich vorher so gut zusammen gerissen hatte und nicht ohne Erlaubnis hingelaufen war. Zu des Eichhorns Unglück jedoch bemächtigte sich seiner eine gedankliche Leere schicksalhaften Ausmaßes. Es wußte seine mindestens 30 Meter Vorprung vor dem Tier nicht zu nutzen und sprintete blindlings zu einem viel weiter entfernten Baum, als nötig gewesen wäre. Die unschagbare Rennperformanz des Tieres erwies sich in diesem Moment als eindeutig dem Rennhörnchen überlegen - Konsequenz: TOD, unter den bestürzten Blicken einer Joggerin, welche F. schockiert fragte, ob ihr Hund eben ein Eichhorn massakriert habe. Unschuldig blickend verneinte F. vehement und schien Erfolg behalten zu haben. Seitdem bleiben uns unliebsame Zuschauer bei unseren Belohungsaktionen vom Leibe.
Eine neu von F. erstandene digitale Kamera unterstützt uns in unserem Vorhaben, der hiesigen Lebenslage fotografisch Herr und Frau zu werden. Dem weitläufigen Geschnatter zahlreicher sich viel zu erzählen habender Mitmenschen können wir nun bildhaft Konkurrenz machen bei durchschnittlichen 50 Auslösern pro Tag - nicht eingerechnet die Sonntagsausflüge mit Hühnerbein J. bei Sonnenschein, an denen sich unser Pensum schon auf 140 Schnappschüsse belaufen kann.
Wir treffen regelmäßig:
(1) durch Tiefschnee watende Fremde

(2) neugierig blickende Einheimische

(3) sportversessene Ausländer

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