Samstag, 11. April 2009

Rohrstockfreie Zone

Meine Kollegen finden: Fremdsprachenassistenten haben einen irre unterhaltsamen Job. Sie bereichern den Büroalltag durch Scheren- statt Zähneklappern, bunten Karton, wo sonst nur schnödes Weißpapier liegen darf, und Klebstoff- anstelle von Pupsgasen. Wenn ich an meinem Computer sitzend eine Konversationsübung vorbereite, kann ich regelmäßig auf die nächste verhaltene Entzückensbekundung, die mir über die Schulter geraunt wird, warten. Bewährte Gassenhauer sind: "Du siehst aus, als hättest Du Spaß", "Als ich noch als Fremdsprachenassistent in Schottland gearbeitet habe, konnte ich meine Zeit auch mit Schneiden und Kleben rumbringen" oder auch "Vor dreißig Jahren habe ich auch noch so unterrichtet". Manchmal allerdings werden mir gar Zukunftsprognosen gestellt und meine noch nicht vergangene Fremdsprachen-assistentenvergangenheit gelorbeert: "Wo wirst Du noch einmal eine Arbeit finden, bei der Du für's Ausschneiden und Kleben bezahlt wirst?!" Wahrscheinlich nirgendwo, es sei denn, ich finde nen Job im Copyshop oder werde Künstler - noch so ein spaßiger Bastelberuf. Leider beginnt im Januar nächstes Jahres der Ernst des Lebens, ohne bunte und bildreiche Aussichten oder klebstoffverschmierte Hände. Dann werde ich endlich zum Rohrstock greifen müssen, um meine Schüler zu disziplinieren und ihre Sprachkenntnisse aufzufrischen. Dann werde ich mich mit Mühen und mit Wehmut an die gute alte Zeit erinnern, in der wir noch derartige zeitaufwendige Experimente im Unterricht betreiben konnten.

Deutschlehrerin G.:

Assistentin A.:
Schülerin S.:

1 Kommentar:

  1. was tut ihr da??? oder gibt es in diesem land sogar das fach "improvisationstanz"????? ich bin begeistert - aber bleibe wohl trotzdem hier. die r aus leiptsch

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