Freitag, 24. April 2009

Lernt sie's beim ersten Mal oder lernt sie's nie?

Letztens beim Joggen:

F., J. und A. fahren mit dem Wagen auf die nicht weit von ihrer Wohnung gelegene Insel, um dort der Leibesertüchtigung nachzugehen. Sie biegen in ihrem Wagen sitzend auf den Parkplatz der Insel.

F.: A., schau mal, ein Waschbär in der Mülltonne. Mist, und wieder haben wir keinen Fotoapparat mitgenommen. Ich habe schon öfter Waschbärenfußspuren an der Innenseite der Mülltonnen hier gesehen.

A.: Jetzt trollt er sich.
F., J. und A. beginnen ihre Joggingrunde.
F. plötzlich: Ey, A., schau mal da im Baum, siehst du den Schatten? Noch ein Waschbär.
A.: Ja, die Maske kann ich erkennen.
Der Berg der Insel ist überwunden, weiter geht es in Richtung des beleuchteten Schwimmbades.
F.: Boah, ist das hier hell. Schnell, das Tier an die Leine, da sitzt ein Streifenstinktier auf der Wiese.
A.: Was für ein Rüssel! Hoffentlich hat es uns nicht gesehen! Und wieder keinen Fotoapparat dabei.
F.: Lassen wir das Tier mal ein bißchen an der Leine, wer weiß, wer hinter der nächsten Ecke auf uns wartet.

Um die Ecke finden sich diesmal keine Präriehunde (sehr murmeltierähnliche Tiere), denn die sind glücklicher- oder unglücklicherweise (!) tagaktiv.

Exkurs:

J. zeigt sich an ihnen bei gewöhnlichen Gassirunden besonders interessiert. Logisch, wer erst bewegungslos aus seinem Loch starrt, nur mit den Augen rollt und sich die Londoner Schloßwache zum Vorbild zu nehmen scheint, dann aber mit eindringlichem Pfeifen in seiner Höhle verschwindet, um ewig nicht mit dem Konzert aufzuhören, der muß sich darauf gefasst machen, daß er besonders eindringlich unter die Lupe genommen wird.


Fortsetzung:

Eine kleine Weile ist F., J. und A. ruhiges Laufen vergönnt. Dann plötzlich an der Spitze der Insel: Ein Auto - Insel- und Parkwacht. Es verblendet den dreien die Sicht, fährt aber ruhig an ihnen vorbei und läßt sie unbescholten weiter joggen. Nach einigen Schritte:

A.: Guck mal F., ein Stinktier.
F.: J-E-T-T-E, raus da!!!
A. und F.: Puh, noch mal Glück gehabt.
A.: Mensch, wieso hab ich das denn vergessen. Das habe ich doch schon mal da sitzen sehen im Dunkeln. Ich weiß doch, daß da ein Stinktier wohnt.


Jedoch ... das schwarzweiße Wesen hatte kein Erbarmen walten lassen, wie F. und A. kurze Zeit später bemerkten.
F.: Riechst du das auch? Was ist denn das? Süß, wie Zwiebel und viel Knoblauch zusammen.
A.: Da ist auch noch Raubtiergeruch mit drinnen. ... Ach du scheiße! Die F. stinkt ja auf 30 Meter Entfernung.

F. lacht und hört nicht mehr auf. Außerdem versucht F. der J. auszuweichen, wo immer es geht. J. versteht das als Spielaufforderung und hüpft um F. herum, was F. lachen und leicht panisch werden läßt. A. schüttelt sich daneben vor Gekichere. Dann kommen F. und A. auf die glorreiche Idee, das Tier baden zu schicken. Schließlich ist der Fluß nebenan. Mit spitzen Fingern wird die Leine vom Tier befreit ...

A.: Hmm, riech mal meine Finger, F. Die sind jetzt auch benebelt.
F.: Guck mal, krass, die F. geht von alleine ins Wasser, ohne Aufforderung. Die muß das auch riechen. Das macht die sonst nie.

Doch leider Gottes wird durch das Wasser der liebliche Geruch noch verstärkt.

A.: Wie bekommen wir die denn jetzt nach Hause? Das Auto muß schließlich verkaufbar bleiben.
F.: Wenn ich vollgesprüht worden wäre, würde ich mich nackt ausziehen und mich in eine Decke einwickeln. Klamotten wie Decke könnte ich dann zu Hause schnellstens entsorgen. Bloß gut, daß ich immer mit mehreren Decken unterwegs bin.

Leider konnte das Fell des Tieres nicht entfernt werden.

F.: Sowas muß man aus Nordamerika mitnehmen!
A.: Wir könnten das Tier in eine Decke wickeln.
F.: Wir haben doch die Box im Auto. Da stecken wir sie rein und die Box können wir nachher waschen. Dann tragen wir sie mit Hilfe eines Handtuchs in die Wanne ...
A.: Und dann?

F. und A. entschieden sich dafür, daß F. sich zu Hause vorerst mit Tomatensaft um J. kümmern sollte, während A. ein vielleicht wirksameres Mittel ergoogeln würde.
 Als F., A. und J. endlich im Auto sitzen, treten sie mit nach unten gekurbelten Fenstern den Heimweg an. An einer Ampel wartend bemerkt F. einen Mann, der neben dem Auto auf dem Fußweg steht und grinsend in ihre Richtung schaut. Ihr fällt es wie Schuppen aus den Haaren: Sie sind eine fahrende Stinkbombe.
Daheim angelangt findet A. eine unglaublich wirksame geruchsneutralisierende Zusammensetzung, die F., A. und J. ihre Wohnung einigermaßen nasenfreundlich erhalten läßt. Das Tier leidet beim Waschen und stinkt jetzt nur noch ein wenig zwischen Augen und Nase, da F. das Waschen da zu heikel war.


TiP für Nachahmer:

Folgend das Wunderrezept, welches jeder Nordamerikafreund in seinen Hausbestand integrieren sollte:
  • 2 Löffel Spülmittel
  • 250 gr Wasserstoffperoxid
  • 2 Eßlöffel Backpulver
Das stinkende Tier sollte damit sofort eingeschäumt und gewaschen werden, so lange die chemische Reaktion läuft. So werden selbst grausamste Stinkerlebnisse zum Wochenendausflug.

Ich stieß in Folge der Erlebnisse auf eine außerordentliche Schlagzeile: "Polizist schießt Stinktier aus Einmachglas frei" kann man bei Spiegel Online lesen (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,509746,00.html). Besagter Polizist schoß das Tier, welches sich mit dem Kopf in einem Einweckglas verlaufen hatte und nicht mehr davon los kam, mit einer Druckluftpistole frei. Sicher hatte er es gut gemeint, jedoch lief das Stinktier dann mit einem Glaskranz um den Hals davon. Ich kann mir leider nicht vorstellen, wie es diesen unbeschadet von sich los bekommen sollte.

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