Montag, 6. April 2009

Wir brauchen FRISCHfleisch! *rrrrrrrrrrrrr*

Ihr wißt: Wir leben in Kanada. Wir leben mit Hund. Das Eine schließt das Andere nicht aus, jedoch stellt uns diese Tatsache vor einige Probleme. Wir füttern unseren Hund roh, also kommen frische Gurke, frische Möhre, frischer Salat, frischer Sellerie, frische Äpfel, frische Bananen auf den Tisch ... ein Traum für jeden Fruttarier. Von dieser Ernährung träumen kann aber auch der Vegetarier, denn J. verspeist darüber hinaus mit besonderer Inbrunst frischen Hüttenkäse, frischen Quark, frische Eier, frischen Honig und frische Öle. Nun finden sich in ihrer Ernährung jedoch nicht nur die fleischlosen Ernährungsseparatisten wieder, sondern auch solche Menschen, wie mein Vater, deren Hauptmahlzeiten gut und gerne zu 80% aus Fleisch bestehen – mit dem einzigen Unterschied, daß J. ihr Essen am liebsten roh und blutig verzehrt. Sie fährt allerdings generell gern eine gerade Linie, also nimmt sie für die zwei empfohlenen, täglichen Zwischensnacks üblicherweise getrocknete Knabbereien zu sich, die man in Deutschland in Überfluß käuflich erstehen kann. In Kanada bleibt ihr die Wahl zwischen künstlichen Chemieprodukten, die werbefreundlich in grün, blau oder orange aus der Plasteverpackung leuchten, oder gewaschenen, von jeglichen Nahrungsbestandteilen gereinigten und künstlich gefärbten Rinderhautknochen, die beim Kauen immer mehr zu werden scheinen. Unsere Einkäufe haben sich aufgrund J.s Unlust, sich länger mit derartigen Snackverballhornungen zufrieden zu geben, in den letzten Monaten deutlich verlängert, da wir stellvertretend für J. lange vor den Regaln rumlungern, um uns nach ewigem Abwägen zwischen Variante eins und zwei zu entscheiden. Doch – tatata – diesem erbärmlichen Zustand sollte mit meinem Deutschlandaufenthalt ein Ende gesetzt werden. Ich fühlte mich schon bei meiner Internetbestellung von insgesamt drei Kilo getrocknetem Fleisch wie der König von Frankreich, und bei meiner Einreise in die BRD wie im goldenen Westen, in Gedanken an Rinderhaut, Rinderpansenstreifen und Rindernasenknorpel, die im Schuppen meiner Eltern auf mich warteten. Nach elf Tagen Aufenthalt, vielen Stunden langer Gespräche, drei Tagen Geburstagsfeier und endlosem Frieren stand ich wieder vorm Reisetasche packen. Gesagt, getan ist einfacher gedacht als in die Tat umgesetzt. Ich stand nun vor der Qual der Wahl, meine Trockenfleischschätze kunstvoll in Decken und Kleidung einzuhüllen in der Hoffnung, daß diese vom Zoll bei näherer Durchsuchung meiner Tasche nicht entdeckt werden. Doch wenn mein Gepäck bereits beim Durchleuchten auffällig werden würde, könnte ich mich sicher schlecht herausreden. „Sicher, Herr Grenzbeamter, Tiernahrungsmittel sind besonders stoßempfindlich und müssen daher immer extrem weich gelagert werden.“ Dies schien mir zu heikel. Einmal gegen Verschleierungsmethoden jeglicher Art entschieden, packte ich übermütig noch unzählige diverse Hundeleckerliepackungen von Netto gut sichtbar obenauf und gab bangen Herzens meine zwei Taschen auf. Glücklicherweise wollte ich ja nicht in die USA, sondern nur nach Kanada, welches deutlich weniger Angst vor politischen Idealisten hat und daher meine Tasche mit dem vielen, verbotenen, getrockneten Fleisch unbehelligt passieren ließ. Ich schloß sie glücklichen Herzens am Förderband in meine Arme und seitdem hat das Tier wieder ordentliche Kaumahlzeiten. ... Nur ist es die nicht mehr gewohnt. Für eine Rinderkopfhautstange brauchte sie letztens über eine Stunde, hechelte danach vor Anstrengung und mußte zwischendrin sogar Pause machen. Früher hätte das gesamte Ding vielleicht 25 Minuten gehalten. Jammerlappen, die!


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