Montag, 15. Juni 2009

Dieters gain more weight during pregnancy

Die New York Times warnt neuerdings nicht nur nordamerikanische, sondern auch europäische Dieter vor ungewollter Schwangerschaft und damit einhergehender Gewichtszunahme. Der Durchschnittsquebecer bringt - auch bei ausstehender Schwangerschaft - etwa 25% weniger Gewicht auf die Waage als der normale Nordamerikaner. Es gibt dicke bis fette Exemplare, ungewöhnlich viele Menschen passen allerdings auch in für Europäer 'normale' Kleidergrößen. Ich selber habe mir in den letzten Monaten über die Maßen viele neue Kleidungstücke gekauft, u.a. weil mir auffiel, wie ich wertvolles Körperfett verlor. Ich ging jedoch weder besonders häufig joggen, noch reichte mein Geld für die Fitnesstudiomitgliedschaft. Einmal entdeckt, aß ich zudem reichlich leckeren Quark aus dem Supermarkt. Was war nur los?
Sechs Monate nach dem ersten Schrecken und viele Kilometer später kam ich der Sache auf den Grund. Ich fahre zu viel Auto! Wer meint, die Rechnung ginge nicht auf, da diese eher bewegungsarme Tätigkeit Pfunde vielmehr wachsen als schmelzen läßt, hat vollkommen Recht, wenn er sich nicht irrt. Die enorme Vernachlässigung standardmäßig eingebauter Blinker durch kanadische Autofahrer schlägt bei mir mit 200g pro Spurwechsel, bei dem ich versuche, unsere liebreizende Paulette vor Stoßstangen- und Blinkerschäden zu bewahren, zu Buche. Unmögliches und Unvorstellbares spielt sich auf Montreals Straßen ab, so daß mein europäisches Auge weder der Stadt noch der Waage mehr über den Weg traut. Unversehens sieht sich der beflissene PKW-Fahrer beispielsweise auf der eigenen Spur einem LKW gegenüber, für den die STVO ein Fremdwort zu sein scheint - auf der falschen Spur versucht er sich eng am Trottoir entlang zu quetschen. Am linken Knie verliere ich 300g Schockmasse. Zwei Kreuzungen weiter ignoriert der Fahrer eines 20m langen Tankwagens die volle vierspurige Fahrbahn und rangiert gelassen mehrere Minuten hin und her. 230g werden vom zweiten meiner Kinne zur Beruhigung fallen lassen. Alles steht. Das dafür regelmäßig, denn die Stadt versäumte bei ihrer Gründung auf dem Reißbrett, nach europäischem Vorbild Vorfahrtstraßen einzuplanen, weswegen der Verkehr über Unmengen an Ampelanlagen geregelt wird. An denen will man nicht immer warten müssen, weshalb hier auch rot noch großzügig als dunkelgrün gewertet wird. Die Polizei würde mit dem Austeilen von Strafzetteln nicht mehr hinterher kommen, weshalb sie Sinn für Sport beweist und die Stadt mit Fahrrädern nach bösen Burschen durchforstet. Auch die bleiben im Sommer schlank. Hat man das Pech, per Ampel von einer Neben- über eine Hauptstraße navigiert zu werden, bleibt man regelmäßig drei bis zwei Phasen lang stecken, weil die Kerle auf der Großen die Existenz der Kleinen ignorieren und prinzipiell die Kreuzung blockieren. Aber ich verstehe - sie können nichts dafür - vorausschauendes und kollegiales Fahren sind hier Fremdworte. Außerdem werden die Ampeln viel zu langsam rot. Wie soll man da die einem noch bleibende Zeit richtig einschätzen?
Fahrradfahren ist in Montreal ein noch gefährlicheres Unterfangen und mit Selbstmord gleichzusetzen. Nur mit Skateboardhelmen behelmte ganz Mutige wagen sich in den Verkehrsdschungel. Fahrradwege fehlen, auf die Trottoirs darf man nicht. Genügend Abstand zum vorbeieilenden motorisierten Fahrzeug halten zu können, bleibt lediglich Wunschtraum des Radlers. Zum Glück fährt der ganz außen und kann daher im Regelfall nicht von rechts überholt werden. Autofahrern passiert das umso häufiger; man hat es doch so eilig! Da wird die Stadt zur Rennpiste. Fazit: Minus 600g für Aufregung und Nervenkitzel an beiden Unterarmen.
Eine weitere kaum zu meisternde Hürde ist die fehlende Fahrbahnmarkierung. Fehlend? Ich verschrieb mich. Wehe dem, der vorschnell urteilt - und doch richtig beobachtet. Alle zwei Jahre wird sie Sommers erneuert, um im Winter sofort von Salz und Schnee wieder weggefressen zu werden. Man legt sich daher am Besten einen mentalen Stadtstraßenplan an. Der hilft besonders an den Stellen aus, an denen zwei Spuren plötzlich miteinander verschmelzen, weil unter der nächsten Brücke nicht genügend Platz für Beide bleibt. Streßfaktor bei 480g. Regelmäßig befindet man sich allerdings auch in Situationen, in denen man sich fragt, ob man gerade rechtmäßig eine vierte Spur aufmacht oder ob man sich doch lieber hinten einordnen sollte. Dieser Mangel wäre halb so problematisch, würde eine Beschilderung den Straßenverkehrsteilnehmer sowohl über vorhandene als auch über abreißende Spuren und Abbiegemöglichkeiten aufklären und somit unvorhersehbare Stadtsituationen planbarer machen. Nicht mal ein GPS sollte damit produktiv umgehen können dürfen. Stattdessen müßten GPS-Programmierer die katastrophalen Zustände der Straßen in Montreal in ihre Planung einbeziehen und kleine neonpinke Leuchten überall da auf dem Bildschirm verteilen, wo Löcher und bis zu eineinhalb Meter breite Risse den Asphalt zieren. Eine komplett eingefärbte Anzeige würde mich glücklich machen und mir viele Stoßdämpfer und etlichen Kiloverlust ersparen. Aber Träume sind in diesem Falle wieder einmal Schäume.

1 Kommentar:

  1. Warum macht man denn während der Schwangerschaft eine Diät? Hä?

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