Dienstag, 23. Juni 2009

Es stinkt ganz ohne Stinktier

O.t.t.o. und Pete hausen auf dem Herd in der Küche. Die unbarmherzige A. läßt sie dort nur ausnahmsweise am Geburtstag oder an Weihnachten herunter, um ihnen fünf Minuten Auslauf im Hinterhofdschungel zu gestatten. Der sieht übrigens zur Zeit dschungelhaft aus, so wie ihn F. vorgestern fotografisch formschön festgehalten hat.


(Seitdem sie sich eine Canon leistete, geht ihr die Digitalfotografie zugegeben kunstvoll von der Hand.)

Die an den Dschungel angrenzende Baustelle ist das Produkt kanadischer Bauschlendriane. Eine ganz eigene Art der ArbeitsBeschaffungsMaßnahme. Das aus Fertigholzplatten zusammengenagelte prototypische kanadische Haus erhält im Rohbau eine Steinfassade, die alle 8 Jahre einer jüngeren Version weinroter Ziegel weichen muß. Leider sind wir momentan noch Zeuge dieser Metamorphose, die einen Monat später als angekündigt einsetzte und voraussichtlich noch zwei weitere Monate anhalten wird. Die verbrauchte, spitzbestiefelte Nachbarin und ihren dickbebauchten Macker scheint das allerdings nicht zu stören - haben sie sich und uns doch die Bausuppe eingebrockt. Grillen, rauchen und Katzen streicheln kann man schließlich auch inmitten von Steinhaufen, Holzplanken und Dreckunmengen.

Der Dschungel auf unserer Seite des Gartens - da gewinnt die Formulierung 'vom anderen Ufer' ganz neue, größere Dimensionen - bleibt glücklicherweise von den grobschlächtigen Händen der Bauarbeiter unberührt und muß nur J. standhalten, die sich in ihrer Mittagspause regelmäßig unter das Katzenvolk mischt und durch den Garten schleicht. Danach liegt sie in der Ecke und leckt sich den Wanderstaub von den Pfoten.

Nun, wo waren wir aber? Richtig, auf dem Herd in der Küche harren nun O.t.t.o., das Kamel, und der Gepard Pete der Dinge, die da kommen. Lebensmitteltechnisch ballten die sich in der nahen Vergangenheit munter. A. vergaß am Morgen vor der Arbeit als Übersetzerin im Videospieletestunternehmen das Brot im glühenden Röster, der seiner Wut Luft machte und gehörig die Wohnung vollräucherte. Sicher leidet er an Entwurzelung, wurde er doch im Herbst des letzten Jahres stiefväterlich verstoßen und fand nur widerwillig bei A. und F. ein neues Zuhause. Auf Arbeit angekommen stach selbst dem drei Schreibtische entfernt sitzenden Franzosen der eigenwillige und ungewöhnlich beißende Geruch A.s in die Nase, was ihn frohlocken und von A. abrücken ließ. Hier die Unglücksraben:


Ein weiteres Kunststück kulinarer Augenfreuden boten sich der versammelten Küchencrew auch wieder am heutigen Abend. Dem Aus-dem-Schrank-nehmen, Schälen und Schneiden der zum Verzehr bestimmten Erdäpfel folgte alsbald ein erstauntes innerliches 'Oh'en und 'Ah'en von A. und O.t.t.o., die sogar Pete aus der Dämmerung rissen und sogleich die Paparazzi auf den Plan riefen. Ein solches Prachtexemplar sieht man ja nicht alle Tage! Keine Frage, daß diese visuell bezaubernde Kartoffel heute nicht im Püree unterging.

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