Donnerstag, 9. Juli 2009

03.07.2009- im Acadia Nationalpark, Maine

Der bevorstehende Nationalfeiertag der Vereinigten Staaten von Amerika, der in diesem Jahr am morgigen Samstag begangen wird, ließ uns gestern bei der Zeltplatzsuche in einige Sorge verfallen. Viele Amerikaner scheinen das Wochenende für den jährlichen dreitägigen Wildurlaub nutzen zu wollen und haben unzählige der kostbaren Stellplätze vor unserer Nase wegreserviert. Aller schlechter Wohnaussichten zum Trotze verbrachten wir die letzte Nacht im Acadia Nationalpark im tiefsten Süden Maines, nur wenige Kilometer von der Wohnstätte Stephen Kings entfernt. Nach kurzem Campingplatzwechsel nach dem Aufstehen (unser Stellplatz ist für die kommende Nacht schon ausgebucht) können wir glücklicherweise auch noch bis morgen hier bleiben. Gemütlich und typisch neuengländisch langsam wiesen uns die Nationalparkhüter unseren neuen Stellplatz zu und überließen uns des Weiterem unserem Urlauberschicksal. Dieses bestand zum Allerersten in einem längeren Fußmarsch zur steinigen Atlantikküste des Parkes. Gestern wie heute hüllte sich die Südspitze der Insel in tiefen Nebel und klarte nur wenig auf. Deshalb sah man nicht einmal die tuckernden Boote, die als Küstenwacht nur einige Meter vom Steinstrand selbigen bewachten.

Dieser Tag Autofahrpause tat allen Reisebeteiligten ausgesprochen gut und animierte zum Schlendern durch grünen Küstenwald.

J. tat es bei Ebbe den unzähligen Algen gleich und badete sich in eisenhaltigem colaähnlichem Wasser wie Kleopatra in Milch. Der satte, rotbraune Farbton des Bades ist leider nicht so gut zu erkennen.

Auf den Felsen wuchsen verkalkte Schönheiten.

F. verbiß sich später, am Ende unserer zweistündigen Wanderung, vor lauter Hunger in felsiges Strandgestein und nahm auch für das Foto die Steinkartoffel nicht aus dem Mund.

Dann ließ sie die angebissene Nahrung schmählich liegen. Soll sie doch ein Anderer verputzen.

Auf dem Heimweg leistete uns die Waldbevölkerung zahlreich und teilweise sehr gut sichtbare Gesellschaft – wie dieser junge Mann hier.

Erneut wunderte mich, daß die Amerikaner an Wald und Bäumen einen derart großen Vorrat haben und das Völkchen trotzdem nicht für seine Wander- und Wildlifelust bekannt ist.

Nach der vielen Natur wurde S. zum Hüten des Wohnmobils zurück gelassen, während die Erwachsenen neuen Lebensmittelvorrat besorgten. Wer sich übrigens schon immer gefragt hat, ob Gott, der Allmächtige, Befürworter oder Recyclinggegner ist, sei auf diese Entdeckung hingewiesen:

(da kommen wohl doch wieder alle in einen Sack)

Der Abend verlief ruhig und lecker mit einem Kartoffelauflauf und Lagerfeuer. Die Axt zum Zerkleinern des Feuerholzes liehen wir uns bei den drei Zelte entfernt wohnenden Nachbarn – drei ältere Ehepaare Ende 60, die, als sie mich fragten, woher ich käme, auf „Germany“ hin nicht reagierten, bei „Europe“ dann aber doch wissend mit dem Kopf zu nicken begannen. Hatten die keinen Geographieunterricht? Wir sollten uns doch mit unseren Exportprodukten wie Autos oder Aufzügen schon weltweit einen Namen gemacht haben. Und wenn selbst das die nordamerikanische Bevölkerung nicht beeindruckt, dann bleiben ja immer noch der schnauzbärtige, schwarzhaarige Mann und die vielen J.s, die die Welt noch nicht vergessen hat. Interessiert hier aber viele offenbar nicht, die haben sicherlich genug mit ihrer eigenen Wirtschaft zu tun.

1 Kommentar:

  1. wenn mich nich alles täuscht, dann nennen sich die "verkalkten schönheiten" "seepocken". aber das wisst ihr ja vielleicht schon selbst... schöne bilder, schöne zeit?! eine gute restzeit in "übern teich" wünscht jedenfalls die r aus leipsch/berlin.

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