Donnerstag, 9. Juli 2009

05.07.2009 - von Salisbury, Massachusetts, nach Florida, New York

Der heutige Morgenspaziergang fiel für F. und J. abenteuerlicher aus als geplant und gewollt. US-amerikanischer Wald ist eben kein Kinderspiel und schon gar nicht zu vergleichen mit europäischen Verhältnissen. Hier kann man sich schon nach 20 Metern verlaufen haben, weil die Sicht auf Straße, Weg oder vorher noch vorhandenem Campingplatz im Nu von hohem und niedrigem Grünzeug versperrt ist. Die F. und die J. fanden aus eigener Kraft durch Sümpfe und Gestrüpp zu holzfällenden Mitmenschen und mit deren Hilfe zu der zum Aufbruch bereiten und wartenden Familie auf dem Campingplatz. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, sieht aber recht mitgenommen aus:

(F. hielt für die Aufnahme ganz toll die Luft an)

Glorreiche Ideen brauchen ihre Zeit, bis sie zur Verwirklichung gelangen! Heute endlich verfrachteten wir das Tier während der Fahrt in den Kofferraum unseres Autoschiffes, reduzierten ihren Platz, so daß für sie keine großen Sprünge möglich waren, und ... hatten den für sie wie für uns entspanntesten Reiseroutenabschnitt seit einer geschlagenen Woche. Halleluja! Ich rechne mit einer weiteren Verbesserung über die nächsten Autofahrtage.

Etwa 1800km liegen nun schon hinter uns, auf denen wir die unterschiedlichsten Wetterzonen mitgenommen zu haben scheinen. Montreal verabschiedete sich von uns mit frischer Luft und leichten Regenschauern. Quebec und der St.-Lorenz-Strom begrüßten uns mit viel Wind und starkem Sonnenschein. Baie-Ste.-Cathérine zog ihrem Himmel dicke Wolken vor und ließ die Luftfeuchtigkeit auf mindestens 80% ansteigen. Rivière-du-Loup begrüßte uns nach der Fähübersetzung mit frischen Wind und Nordseestimmung. In Notre-Dame-du-Lac am Timouscata See konnten wir temperaturmäßig zum ersten Mal etwas aufatmen und kauften uns vor lauter Freude unser erstes Feuerholz. Der Acadia Nationalpark setzte der Sommerstimmung mit dichtem Nebel und für diese Jahreszeit ungewohnt nasser Frische einen Riegel vor, hinderte uns allerdings nicht am Lagerfeuern. Mit dem Nationalfeiertag wurde gestern offenbar die wärmere und sonnigere Hälfte unseres Urlaubs eingeläutet. Die gut 900km, die wir in den letzten zwei Tagen zwischen uns und den Acadia Nationalpark gebracht haben, reichten heute aus, das Thermometer einige Grade nach oben schnellen und uns in kurze Hosen kleiden zu lassen.

Wir übernachten heute übrigens in Florida – nein, nicht in DEM Florida, sondern in einem Dorf eine Stunde vor den Toren New York Citys. Unsere Stellplatznachbarn schienen sich mit der Größe eines Wohnmobils nicht zufrieden zu geben und reisten gleich mit einem ganzen Tourbus an (links im Bild).

Rechts davon stehen wir und dazwischen liegt die J. unter dem Tisch, während ich hier schreibe (siehe geöffneter Laptop auf der Oberseite des Tisches), und bewacht mich und unser Haus und Hof vor den anderen Campinghunden.

Dabei ist sie doch im wahren Leben und von Nahem eine Prinzessine.

Direkt nach unserer Ankunft heute Nachmittag verließen uns die F., der P., die M. und die S., um sich im nahegelegenen Outletcenter umzutun. Die J. und ich, wir brachen nach einer Ruhestunde zu unserem abendlichen Spaziergang auf. Nachdem wir mehrere Privatgrundstücke mit englischem Rasen und den obligatorischen immensen Trampolinen im Garten passiert hatten, zogen wir uns ins Unterholz zurück. Dieses erwies sich als ein halbreifer Sumpf, der meine Sandalen im Nu mit Schlammwasser überzog. Meine gesamte Aufmerksamkeit war für einige Minuten darauf gerichtet, mich über Grasinseln balancierend fortzubewegen und gleichzeitig das Tier an seiner 5-Meter-Schleppleine zu halten, als plötzlich ein unerhört großes Reh mit den sprichwörtlichen braunen Augen unbeweglich vor uns stand und unser Vorhaben argwöhnisch betrachtet zu haben schien. J. ließ sich glücklicherweise davon abhalten, den attraktiven Rehbeinen hinterherzujagen, die ein vorzügliches Abendessen abgegeben hätten. Einige Meter, viele Disteln und zahlreiche Wasserbecken später verfluchte ich, ohne Gummistiefel und Fischerhose abgereist zu sein, sondern mir stattdessen in Trägershirt, kurzen Hosen und besandalten Barfüßen meinen Weg durch die Wildnis bahnte. Gassigehen ist hier nicht nur mit langer Suche, sondern immer auch mit viel Abenteuer verbunden. Erst heute Morgen verlief sich F. mit J. im Waldstück hinter dem Campingplatz, als sie sich an einem Flußlauf orientieren und von da den Rückweg finden wollte, jedoch nur tiefer und tiefer in den Wald geriet, letzten Endes auf hilfsbereite, Holz sägende Anwohner stieß, die sie wieder in die korrekte Richtung zum mittlerweile 2km entfernten Zeltplatz schickten. Der Durchschnittsamerikaner hingegen läßt die viele Natur, die Wiesen und unendlichen Wäldern in ihrem Land vor lauter Wildheit links liegen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen