Freitag, 24. Juli 2009

1001 Unmöglichkeit

Der Kontinent der unbegrenzten Möglichkeiten macht seinem Ruf in mehrfacher Hinsicht alle Ehre und hielt in den letzten Wochen allerlei Überraschungen für uns bereit.

1. Der durchschnittliche, in Stadt X wohnhafte Hundehalter ist sich der Tatsache bewußt, daß eine nicht zu bestimmende Zahl von Mitbürgern und Mitbürgerinnen erklärte Hundehasser sind. Davon zeugen zum Beispiel zahlreiche Vergiftungsvorfälle - verursacht durch präparierte Köder, die in beliebten Gassigebieten ausgelegt und beim Spazierengehen vom Hund aufgenommen werden. Frauchen oder Herrchen sollten aber bei ausreichender Um- und Vorsicht den meisten durch Menschen verursachten Einschränkungen und Gefahren im Verlaufe eines Hundelebens entgehen bzw. sie im alltäglichen Bereich umgehen können.

Eine (H)un(d)möglichkeit der ganz anderen Art stellt dagegen eine neueste Maßnahme in Gatineau, Quebec, dar. (Anm. der Redaktion: Gatineau liegt nördlich über der kanadischen Hauptstadt Ottawa am Ottawa River, aber noch in der Provinz Quebec.) Dort wird in den kommenden Wochen ein schon bestehendes, aber den meisten Hunde- sowie Nichthundehaltern unbekanntes Gesetz verschärft in die Tat umgesetzt. Betreffendes Gesetz besagt, daß im gesamten Stadtgebiet Leinenpflicht herrscht (außer in den speziell angelegten, eingezäunten, aber wenigen und daher chronisch überbelegten Hundeparks) und ... daß in 350 von 379 Parks der Stadt Hunde generell verboten sind! Darum scherte sich bis jetzt nur selten jemand, schließlich werden viele dieser Parks und Sportanlagen kaum genutzt und stehen - bis auf Hunderennrunden und ausgelassenes Spiel zwischen Tier und Halter - absolut leer. 10 000 $ wird die Stadt dafür ausgeben, in allen angelegten Grünflächen "Hunde verboten"-Schilder zu errichten. Was dann Frauchen und Herrchen und Hundchen tun, wenn nur mal kurz eine Pullerrunde vor der Arbeit oder vor dem Schlafengehen angesagt ist, kann sich jeder persönlich in den schillerndsten Farben ausmalen. Eine halbstündige Fahrt mit dem Auto zum ausgewiesenen Hundepark - Tiere sind hierzulande schließlich auch keine willkommenen U-Bahn- und Busfahrgäste - soll dann allein Linderung verschaffen. 26-Stunden-Tage und freie Tankfüllungen für alle!

2. Eine Reisesackgasse eröffnete sich uns und der J. letzte Woche, als wir routinemäßig unsere Rückflüge auf den europäischen Kontinent inklusive Hund bei der Fluggesellschaft bestätigen wollten. Air Canada - die von F. gewählte Linie - schnodderte uns ein "Nein" bezüglich des Transportes des Hundes entgegen und legte dann kundenfreundlich auf. Tiere würden im Sommer wegen des hohen Verkehrsaufkommens und der vielen Urlaubsreisenden einfach nicht befördert. Sicherlich steht es Air Canada frei, ihre Flugbeschränkungen beliebig festzulegen, jedoch sollte davon auch dem Kunden mitgeteilt werden, so daß dieser sich nicht nur für sondern auch gegen einen Flug entscheiden kann. Dies wurde in F. und J.s Falle versäumt, so daß wir fassunglos zu Hause ins Sofa kippten, da wir von einer bestätigten Buchung für Hund und Halter ausgingen.
... blabla ... lange Telefonate und Emails ... blabla ... STRESS ... Internetrecherche ... Geldsorgen ... Stress ... blabla ... eine Woche später:
J. wird morgen Mittag zum KLM(königlich-niederländische Fluggesellschaft)-Hauptquartier am Montrealer Flughafen gebracht und von dort aus abends um 19:45 Uhr als Cargo nach Amsterdam ausgeflogen. Dort angekommen wird sie untersucht, gescannt, gecheckt, und hoffentlich auch pullern geführt, so daß sie bereit ist für ihren Anschlußflug nach Berlin. Wenn J. auch in der Hauptstadt gesund angekommen ist und von unserer Kontaktperson S. in Empfang genommen wurde, die uns dann per SMS über den Stand der Dinge unterrichten muß, fallen uns fünf LKW-Ladungen Steine vom Herzen ... aber das ist LEIDER noch Zukunftsmusik.

3. Zu allem Streß und aller Sorge gesellten sich gestern Morgen F.s Gutherzigkeit und Tierliebe. Diese sorgten dafür, daß sie auf ihrer morgendlichen Pullerrunde mit J. die Nachbarskatze vom Tod durch Überfahren auf offener Straße retten und sie in den schützenden, heimischen Garten zurückbringen wollte. Gesagt, getan! Kaum, daß F. allerdings die Katze in ihren starken Armen hielt und sich J. näherte, die vorsorglich in einiger Entfernung abgelegt worden war, verlor die Katze die Fassung, rastete aus und biß F. in ihrem Wahn in die Hand. Da Katzenbisse bekanntlich nicht auf die leichte Schulter zu nehmen sind, gingen wir heute Abend auf Anraten des Apothekers in die Notaufnahme, um F. mit Antibiotika versorgen zu lassen. Während der nur knapp dreistündigen Wartezeit reihte sich Schauspiel an Schauspiel - eine Tragikkomödie, begonnen beim Sachbearbeiter, der sich von F. die Bedienung des Kreditkartenlesers erklären lassen mußte, bis hin zu 760$, die ohne Versicherungschipkarte verlangt wurden für folgende Leistungen: Vorgespräch mit einer Krankenschwester, langes Warten beim hinter einer Glasscheibe unkoordiniert fuhrwerkenden Sachbearbeiters, weiteres noch längeres Herumsitzen auf den blauen Stühlen des Wartebereichs, kurzes Ansehen des Fingers (ohne Körperkontakt) durch eine Ärztin und Verschreibung eines Rezeptes für ein Antibiotikum.

Meine Nerven!

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