Samstag, 29. Mai 2010

AusgangsSPERRE

Neulich stand ich frühmorgens auf, zog mich an und bereitete mir ein nahrhaftes Frühstück. F. war schon außer Haus und ich beschloß, noch vor dem Essen die nötige Pinkelrunde mit dem Tier zu erledigen, um danach guten Gewissens ins Seminar fahren zu können. Das Essen blieb indes unangetastet auf dem Küchentisch stehen. Mit einer schwarzen, extra zu diesem Zwecke gekauften, dünnen Plastetüte bewaffnet - an dieser Stelle könnte man den Einsatz des Wortes "Plaste" diskutieren ... es würden sich in den neuen alten neuen Bundesländern viele hitzige Verfechter der Plastik finden ... muß man aber auch nicht -, in seminargerechter Kleidung, den Hund an der Leine und den Schelm im Nacken zog ich die Tür hinter mir ins Schloß und eilte mit J. über die Straße auf das Wiesenstück vor unserem Haus. In zehn Minuten würde der Bus kommen und bis dahin sollte das Tier genügend Zeit haben, noch eine formschöne Wurst ans Tageslicht zu pressen. Doch J. pullerte nur und ich sah ihren schlaftrunkenen Augen  deutlich an, daß sie sich nun gern wie üblich in aller Ruhe noch mindestens drei Stunden auf's Ohr hauen wollte.
Bereits vom Wege zum Grünstreifen zur Haust(ie)ür fiel mir zu meinem großen Unmut die Leichtigkeit meiner schicken neuen orangefarbenen Jacke auf - nach zehn Schritten mußte ich mir eingestehen: Ich hatte den Haustür- und Wohnungsschlüssel vergessen. Da standen wir zwei nun wie die Deppen - ohne Essen oder Trinken, kein Geld in der Tasche, kein Mobiltelefon, nicht mal einen Busausweis hatte ich mit, geschweige denn Leckerlie. Und dabei wurde ich doch 10 Minuten später im Seminar zur pädagogischen Fachsitzung erwartet. Stattdessen stand ich vor unserem Haus herum und grübelte darüber nach, wie ich am besten an einen Schlüssel kommen würde, das Tier zu Hause lassen und meinem Job nachgehen könnte. Auch F., die Person mit der direktesten Verbindung zu einem Schlüssel, war nicht zu erreichen, geschweige denn nach Hause zu bewegen, da sie sich im Vergleich zu mir schon vor Tagesanbruch auf den Weg in die Schule gemacht hatte.
Es half alles Überlegen und Abwägen nichts ... die J. mußte ins Seminar mitgenommen werden, komme was wolle. Sie stieg auch ganz artig in den Bus ein, den sie sonst verabscheut, da er sie üblerweise schon mehrere Male durch einen ihr ungeheimen, dunklen, von orangenen Lichtern flackernden Tunnel fuhr. Die Kollegen im Seminar zeigten sich tolerant und behielten ihre Ängste vor fremden schwarzen Hunden größtenteils für sich. In der großen Pause stiegen J. und ich gemeinsam mit einigen Mitreferendaren zum Luftholen auf's Dach des Seminargebäudes, wo J. nach drei gelaufenen Lockerungsrunden sich schließlich niederkniete zum Kacken.  Alle Überzeugungsversuche meinerseits, die Darmentleerung doch ganz vor das Gebäude in die Grünrabatte zu verlegen schlugen fehl und ... just in dem Moment der intimen Momente passierte eine der Sekretärinnen die Glastür. Ihre strafenden Blicke konnten wir gerade noch durch Niedlichkeit und eine blitzschnell gezogene Kackertüte  auf ein uns erträgliches Maße reduzieren. Doch ab jetzt sollen uns zusätzliche, extra große Schlüsselanhänger in grellen Farben und ein dreimaliges Abtasten sämtlicher Kleidungstaschen vor einem nochmaligen, derartigen Unglücke bewahren.

Kommentare:

  1. wer den schaden hat, spottet jeder beschreibung!

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  2. Die Geschichte war schon in mündlicher Form zum wiehern!
    In der Schriftlichen: noch Bildhafter!

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  4. haha, lustig..
    einen schönen Abend noch :)

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  5. Bitteschön: http://jundf.blogspot.com/2011/07/angjuh.html

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  6. Ach schön :) Is mir auch schon passiert.. nur dass ich statt Jacke nur einen Bademantel trug und im 9. Monat schwanger war. Es war auch nich der Hund, der rausmusste, sondern der Postbote, der mir ein Paket brachte.

    Liebe Grüße
    beastie

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