Montag, 10. Mai 2010

Ist das jetzt nur Metal?

Mensch Meier, so viel gearbeitet wie in den letzten sage und schreibe nun schon vier Monaten habe ich lange nicht mehr ... gedenkt man der Zeit, die ich früher - in den noch satteren, grüneren, frischeren, glücklicheren Tagen - auf Lektüre, Musik, Freunde, Kino u.ä. bildende Dinge verwenden konnte. Das Leben als "Refi", wie sich eine meiner immer kollegial und aufmunternd lächelnden Kolleginnen aus dem Pädagogikkurs in die Herzen meiner und ihrer Mitstreiter hineinreferendarisiert, ist anstrengend, kräftezehrend, zeitfressend und greift zudem die heimische, sachliche wie auch künstlerische Freiheit an. 

So letztens erst gesehen und geschehen bei einem Studienreferendar des Faches Ethik. Dieser schien in den zwei stattgefundenen Beamtenrechtssitzungen dem Vormittagsschlaf gefrönt zu haben, wie hätte sonst die Lehre von den hoheitrechtlichen Aufgaben, mit denen der Berufsstand der Lehrer betraut ist - das ganze Paket von Erziehungsauftrag über Vorbildfunktion zu persönlicher Integrität -, spurlos an ihm vorbeigehen können. Besagter junger Mann mußte sich kürzlich aufgrund musischer Freiheiten von der Zukunftsmusik des Beamtenlebens verabschieden und aus dem Dienst austreten. Beinhalteten seine außerunterrichtlichen Aktivitäten doch gewaltverherrlichende Texte, pornographische Darstellungen eine ganze Bandbreite von im Privatleben und heimischen Bett ungewöhnlichen Kombinationen. Einige Mitrefis erheben nun ihre Stimmen und können diese Entscheidung nicht verstehen. Die Frage bleibt: Wie steht ein Ethiklehrer vor seinen Schülern, der in seiner Freizeit mit kunstblutverschmiertem, nacktem Oberkörper auf Bühnen von der Vereinigung menschlicher Genitalien mit Kettensägen, von Vernichtern, von Krieg, Blutgöttern und Vergewaltigung und Mord singt und laut proklamiert, daß es nur noch Krieg gäbe? Er betont, daß eine brutale Welt brutale Musik gebiert, und daß dies immer Musik bliebe, eben Kunst. Doch wie soll ein 9. Klässler verstehen, daß sein Gemeinschaftskundelehrer am Wochenende nach Beendigung der Unterrichtseinheit zum Thema "Spannungsverhältnisse zwischen einzelnen Grundrechten" "Tötet Menschen, keine Tiere!" singt? Bietet er auf diese Art und Weise die Gewähr dafür, "jederzeit für die freiheitlich demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes einzutreten" (Landesbeamtengesetz des Landes Baden-Württemberg, §6)? Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Großbuchstabrige Zeitschriften, die mit Bildern statt Wörtern unterhalten wollen, mögen das Gegangenwerden des jungen Mannes für skandalös halten. Die Welt selbst sieht darin die bösen Vorzeichen eines Berufsverbot, daß in der BRD schon einmal existierte - wenn damals auch gegen die aktiven Linken in Lehrerberufen. "Im Grunde, so scheint es,", schreibt die Welt, "ist er ein normaler, durchschnittlicher, anständiger Mensch. Mit einem etwas anderen Geschmack. Und mit ein paar anderen Haltungen." Und das soll nun bestraft werden?

Was ist eigentlich die weibliche Form von Mitrefi? Sicher muß es wohl MitrefIn heißen, womit selbige oben bereits Erwähnte endlich ihre wohlverdiente Selbstbezeichung hat und dem jungen Mitrefi - oder ist das männliche Pendant MitrefEr? - aufmunternd zulächeln dürfte. "Tschüßli", ruft sie und "Kopf hochli"!

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